University Lecturer Cherno Jobatey Rhetorik Seminar

Seminar: Rhetorik, Public Speaking & freie Rede

Während Musiker es noch relativ einfach haben, mit Tönen Stimmungen zu erzeugen, Schauspielern ihr Verhalten durch die Rolle schon halb vorgegeben ist, haben es Redner mit ihrem Vortrag schwerer:  Sie haben nur das Wort und jede Menge Inhalt. Daraus muss etwas entstehen, was für den Zuhörer nicht nur geistig nachvollziehbar sondern gleichzeitig emotional mitreißend ist.

Freie Rede eine alte Kunst

Und zwar von alters her: Bei den alten Griechen hieß der Redner Rhetor. Die Römer differenzierten: Der Orator war ein strategischer Kommunikator, der das (öffentliche) Reden praktisch ausübte. Im Gegensatz dazu stand der Rhetor, der als Theoretiker Zuhörer Beredsamkeit lehrte. Da die Oratoren häufig öffentliche Ämter ausübten und in dieser Funktion vor Volksversammlungen redeten, bestand ihre Kunst darin, die unteren und die oberen Schichten gleichermaßen anzusprechen und zu überzeugen. Der Redner musste also im Vortrag die immense Bildungsschere des Publikums schließen können, um sowohl den Analphabeten wie den akademisch gebildeten Patrizier zu erreichen.

Rhetorik wurde zur Kunst in Parlament und Gericht bei Griechen und Römern

Rhetorik hat bis heute die Aufgabe, das Publikum da abzuholen, wo es steht und alle mitzunehmen, motivational wie argumentativ. Auf die Bedürfnisse der Zuhörer, seien sie emotionaler, seien sie intellektueller Natur, eingehen. Das Publikum interessieren, unterhalten, mitreißen, überzeugen damit die eigene Botschaft ankommt, das Argument verstanden wird. – Aber wie bitte geht das?

Das Handwerkszeug eines jeden Redners entwickelte sich in der politischen und Gerichtspraxis der Griechen und Römer zur Kunstform, die sogar in speziellen Schulen gelehrt wurde: die Rhetorik. Bis in die Moderne wurde die Kunst des Redens perfektioniert. In Zeiten der elektronischen Massenmedien hat sich das Handwerk des Redners verändert: Persönlichkeit, Spannung, Dichte und Dramaturgie des auftretenden Redners kann sehr leicht durch die Verpackung, die Produktion wettgemacht werden. Andere Talente sind in den Vordergrund getreten.

Digitalisierung bewirkt Renaissance der alten Kunst

Wie bei der Popmusik lassen sich  gut komponierte, gigantisch verpackte und für herkömmliche Vertiebswege, also Massenmedien oder Tonträger, reproduzierbare Produkte nicht mehr wie gewohnt vermarkten.  Lange Zeit konnten Musiker gut vom Verkauf von Tonträgern leben, waren Konzerte und Tourneen eher Marketing fürs „eigentliche“ Produkt.  Nun ist es wieder, wie vor der Erfindung der Klang-Konserve: die Aufführung auf einer Bühne ist der wichtigste Faktor, um als Musiker seine Kunst zu vermarkten, also ganz schlicht Geld zu verdienen.

Popmusik wurde als erste Kunst von der Digitalisierung „erwischt“. Aber das Phänomen betrifft potentiell alle Geistesarbeiter von Autoren über Historiker, Analysten oder Dichter bis hin zu Politologen. Und bei diesem „neuen“ alten Geschäftsmodell hilft nichts außer der Performance, dem Auftritt. So kam es zu einer Renaissance des klassischen, fast schon altmodischen Handwerks auf vielen Bühnen.

Klassische Stilmittel der Rhetorik

Das Seminar beginnt bei der Vorbereitung: Wie könnten Argumentationsstrategien ablaufen, wie bleibt man glaubwürdig? Existieren Gefühlsargumente oder Suggestionen für die richtige Wirkung? Wie kann man  Bilder im Kopf entstehen lassen. Und dazu wird auch Gewicht gelegt auf Körpersprache, getreu dem alten Motto: „Wer schlagfertig sein will, muss Souveränität ausstrahlen!“

Erarbeitet werden die klassischen Stilmittel der Rhetorik, etwa: Alliteration, Anspielung, Allegorie, Adynaton, Correctio, Hyperbel, Metapher, Simile, Ellipse, Rhetorische Frage, Dreierregel, Inversion oder auch Stichomythie.

Praktische Umsetzung der Rhetorik

Das Seminar ist auch ganz kleinteilig handfest und praktisch: Nie das Publikum vergessen, es immer im Auge behalten. Logische und emotionale Appelle an das Publikum richten. Immer untermauern: Zitate und Zahlen in die Geschichte einbauen. Satzlänge, Klang, Rhythmus und Tempo variieren, um nicht monoton zu wirken. Und: Mut zur Pause!

Es gilt die Kunst der Einleitung zu kennen. Ein paar Klassiker sollte man draufhaben. Inhaltlich sollte immer ein Nutzen hervorgehoben werden. Und zu guter Letzt: Gekonnt Schluss machen.

Rhetorik ist auch Nonverbal

Nonverbale Kommunikation: Körpersprache, unser unterschätztes Werkzeug: Das Gesicht ist Botschafter, Stimme der Soundtrack. Fragezeichen, Ausrufungszeichen und die ganze Bandbreite der Grammatik kann man auch durch Körperlichkeit ausdrücken.

Stanford’s Speakers Shit-List

Zu guter Letzt: Die NOT TO DO Liste :
Keine langen Sätze, keine Klischees, keine Schlagwörter, keine Passivkonstruktionen, keine Fremdwörter, keine schwachen Verben, keine Gliederung vor sich haben

Wahlweise kann, wer möchte, auch mit Tucholskys Ratschlägen für einen schlechten Redner arbeiten.