Jürgen Trittin, Ronny Patz & Cherno Jobatey in UdLDigital Talkshow

„Europa – War da was?“

Obwohl europäische Themen so stark wie nie in der öffentlichen Wahrnehmung verwurzelt sind, finden sie in digitalen Medien so gut wie gar nicht statt; in klassischen Medien wiederrum fokussiert sich die Berichterstattung fast ausschließlich auf negative Entwicklungen. Warum ist das so? Das diskutierten Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, und der Europablogger Ronny Patz.

 

Ronny Patz formuliert ganz deutlich, dass es eine Trennung zwischen dem Europa des Lebens und dem Europa der Politik gäbe: Dort, wo Menschen von A nach B umziehen, zusammen arbeiten und studieren, funktioniere Europa durchaus. Und noch vielmehr: Längst ist dieses europäische Miteinander so alltäglich geworden, dass es nicht mehr zum Gegenstand von Diskussionen gemacht werde. Über diese Erfahrungen aber werde oftmals politischer und medialer Populismus gelegt: Hier werde Europa auf eine Aneinanderreihung von Gipfeln, auf Krisen und auf nationale Polemiken reduziert. Ist dies ein Vermittlungsproblem der Politik? Oder der Medien? Oder beider?
Trittin konterte, dass weder Politik noch Medien ein verknapptes Bild darstellen würden. Europa wäre das größte Demokratieprojekt, das der Kontinent je gesehen hätte. Es bedeute für alle einen Gewinn und jeder erfahre das täglich – etwa wenn er Ländergrenzen überqueren könne, ohne Passkontrollen und Währungstausch über sich ergehen lassen zu müssen. Ursache der aktuellen Stimmungslage sei vielmehr, dass sich Europa tatsächlich in einer Krise befände. Diese aber hätte nichts mit seiner ökonomischen Stärke zu tun, sondern vielmehr mit politischer Schwäche und dem Fehlen einer starken politischen Institution. Trittin forderte: „Mehr Europa, weniger Nationalstaat!“
Um dieses Ziel aber erreichen zu können, müsse das Bewusstsein für eine grenzübergreifende europäische Öffentlichkeit und ihren Einfluss auch in der Bevölkerung weiter wachsen, so Patz. Dieses sei nur dann möglich, wenn es mehr Transparenz gäbe. So wären europäische Informationsflüsse im Lauf der letzten zehn Jahre zwar transparenter geworden, erst jetzt aber entstehe auch eine entsprechende Nachfrage nach diesen Informationen.