Cherno. Die RBB-Talkshow

Moderator Cherno Jobatey

Cherno. Die RBB-Talkshow

„Erster im Dritten“, schwärmte die Bunte.

„Cherno. Die RBB-Talkshow“ war eigentlich nur „mega-old school“! Die Sendung  funktionierte sehr einfach: Zwei Menschen auf einem Sofa und sprechen. Nicht monothematisch wie andere, sondern über vielfältiges, manchmal auch über nichts. „Ich war oft unanständig in meinem Leben“, kokettierte etwa unvergessene Inge Meysel, um dann nach einer Kunstpause nachzulegen: „Es ist mir gut bekommen“. Es war eine klassische Variety-Show vor gut 200 Gästen. Talkmaster Cherno Jobatey  lud ein: Politik, Sport, Kultur, Wirtschaft, natürlich Entertainment und beeindruckende Normalos.

Erfolgstalkshow durch puren Zufall

Es begann mit einer Reportage in einer abendlichen TV-Nachrichtensendung. Dort wurde Frankfurt an der Oder als Stadt der ewig Gestrigen porträtiert, voller Alt-Kader, Skinheads und Arbeitsloser. Die Frankfurter wollten das nicht auf sich sitzen lassen und machten, angeführt von der dortigen Regionalzeitung mobil und deckten Fehler auf. So war etwa der gezeigte Skinhead ein Genesener, der gerade eine Chemotherapie hinter sich hatte.

Aber dann wollten die Macher der „Märkischen Oderzeitung“ („MOZ“), einen Schritt weiter gehen und zeigen, welches Potenzial in Frankfurt steckt. Die Idee: wir machen eine Talkshow. Zeigen, wie wir wirklich sind.

Eine Halle wurde gemietet, alle Wichtigen angefragt, alles lief. Doch dann fragte irgendjemand: Wer macht denn den Moderator?  Beim Brainstormen erinnerte sich Chefredakteur Heinz Kannenberg an einen Auftritt in der Presseschau des ZDF Morgenmagazins. Sofort versuchte er einen ziemlich verblüfften Cherno Jobatey zu erreichen, der zunächst nicht wirklich wollte und „dazu auch keine Ahnung hatte, wie Talk geht“. Der MOZ-Chef blieb hartnäckig.

Schnell sprach sich das Ganze bis in die Frankfurter Fernsehredaktion des lokalen ARD-Senders rum, und der wollte gern den Event aufzeichnen. Die veranstaltende „Märkischen Oderzeitung“ taufte das Ganze „Brandenburger Treff – Talk auf dem MOZ-Sofa“.

Der Abend war ein Erfolg! Man hatte Spaß mit Boxprofi Axel Schulz, Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan und anderen. Danach gab’s ein Fleischsalat-Buletten-und-Freibier-Büffet für alle. Gesendet wurde zu später Stunde.

Quotenwunder aus Frankfurt

Wahrscheinlich hätte man nie wieder etwas von dieser Veranstaltung gehört, wäre die Quote nicht so eindrucksvoll gewesen: Eine einmalige,  nicht angekündigte Sendung, bei der immer mehr durchschaltende Fernsehzuschauer hängen blieben, deren Quote sich im Sendungsverlauf vervielfachte!

Am nächsten Tag hatte der frischgebackene Talkmaster Cherno Jobatey den Intendanten des Senders am Telefon. Er wollte daraus eine Serie machen. So entstand „eine der erfolgreichsten Sendungen in dritten Programmen“ (Die Welt). Die Sendung lag stets deutlich über dem Senderdurchschnitt, verdoppelte ihn.

Donnerstag 20 Uhr 15 vierzehntäglich

Regelmäßig meldete sich Talkmaster Cherno Jobatey von da an „trittsicher zwischen News und Show agierend“ (Märkische Allgemeine) aus verschiedenen Orten Brandenburgs und natürlich auch aus Berlin. Und Jobatey hatte beeindruckende Gäste:

Der Bundesinnenminister erzählte vom Vatersein, Angela Merkel lernte man ganz anders kennen, Bundesligalegenden wie Hans Meyer & Huub Stevens erklärten Erfolg. Richtig persönlich wurde BILD-Chef Kai Diekmann und Hartmuth Mehdorn verriet, wie man im ICE am besten schlummert. Lafontaine parlierte über Marx, der Bundesbank-Chef witzelte über Geldmengen und Roberto Blanco bestand darauf, Talkmaster Cherno Jobateys Vater zu sein.

Spannend war Deutschlands erster Profiler, Bettelmönch Bruder Thaddäus faszinierte. Till Brönner jazzte live, Jeanette Biedermann röhrte in der Talkshow acapella ihren Lieblingssong, Deep Purple’s „Smoke on the water“. Tatort-Ermittler Jan Josef Liefers outete seine Liebe zur Gitarre und krachender Rockmusik und Oscar-Preisträger Engel ließ an seinem Hollywood 20-Stunden Arbeitstag teilhaben, wie auch eine UN-Waffeninspektorin an ihrem Job im Irak.

Beim Auftritt der als medienscheu geltenden First Lady Brandenburgs musste die Sendung unterbrochen werden, als die Geladene mitten im Satz aufsprang, um einem umgefallen Zuschauer zu Hilfe zu eilen.

Nach lustigen und erfolgreichen 18 Monaten, zog sich die MOZ im Zuge der allgemeinen Zeitungskrise aus diesem Engagement zurück. Der ARD-Sender machte unter dem Regiment von Redaktionsleiterin Katrin Mandel im Gespann mit Cherno Jobatey weiter.

Cherno. Die RBB-Talkshow

Aufgrund der Namensrechte wurde die Show umbenannt in „Cherno. Die RBB-Talkshow“. Cherno Jobatey trifft den ironisch-lockeren Plauderton perfekt … Dabei konnte Jobatey – gut gelaunt und weißbeturnschuht wie immer – durchaus penetrant nachhaken“, so die Märkische Allgemeine. „Ministerpräsident Matthias Platzeck… versprach er mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit Tango zu tanzen, wenn die Fusion Berlin-Brandenburg geklappt hat“.

In Berlin und im Umland wurde „Cherno. Die RBB-Talkshow“ zum Überraschungs-Quotenhit, mit Marktanteilen im zweistelligen Prozentbereich. Die Personality-Show überrundete dort öfter die anderen Abendtalkshows in ARD und ZDF, war „der Straßenfeger.“ (MAZ) Der Rekord lag bei 24%(!) Marktanteil.

Fünf erfolgreiche Jahre lud Cherno Jobatey ein zu „Cherno. Die RBB-Talkshow“.