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Cherno Jobatey ist Herausgeber der HuffPost

Binnen Jahresfrist schaffte es die deutsche Ausgabe der HuffPost, sich ganz nahe an die Spitze, an die Top Ten der deutschen News-Angebote heranzupirschen. Seit ihrer Gründung im Oktober 2013 gehört Cherno Jobatey als Herausgeber zum Führungsteam der deutschen HuffPost.

Der Trubel am Anfang war schon beeindruckend: Was wurde alles vermutet, dass keiner die HuffPost brauche, was das überhaupt solle mit dieser Mitmach-Zeitung? Deutschland sei kein Blogger-Land! Wo Cherno Jobatey auch auftauchte, wurde er zur HuffPost befragt. Interessierte freundliche Leute wollten wissen, was so anders sei, wieso der Schnellstart gelang, warum so viele bloggen.

HuffPost ist Produkt der augenblicklichen industriellen Revolution

Die durch die Digitalisierung ausgelöste industrielle Revolution wirbelte in den letzten zwanzig Jahren sehr viel durcheinander, traditionelle Geschäftsmodelle genauso wie die gewohnten Kommunikationsformen. So haben sich auch Medien und mit ihnen die gesamte Medienökonomie in den letzten zehn Jahren schleichend, also unhörbar und auch unaufhaltsam stark verändert.

Die 2005 von Arianna Huffington in den USA als Huffington Post gegründete HuffPost ist eine ganz normale Zeitung, die es allerdings an keinem „physischen“ Zeitungskiosk zu kaufen gibt, sondern nur online zu lesen ist. Weltweit arbeiten rund 800 Journalisten in den Redaktionen. Und das so erfolgreich, dass die Zeitung nicht nur stetig wächst, sondern im Jahr 2012 als erste online-Zeitung überhaupt den renommierten Pulitzer Preis gewann.

Das HuffPost Prinzip

Das Besondere an der Nachrichtenplattform  HuffPost ist ihr hybrides Prinzip: Sie ist einerseits eine online-Zeitung, andererseits aber auch eine Plattform für jedermann, der an öffentlichen Diskussionen teilnehmen möchte, eine Art YouTube für Worte.

Die HuffPost funktioniert wie eine gigantische Talkshow, an der jeder teilnehmen kann. Diese Talkshowteilnehmer sind Gastautoren – neudeutsch Blogger – und haben ihren Platz prominent in der Spalte links neben den redaktionellen Inhalten. Das bedeutet im Extremfall: Der Kanzlerinnen O-Ton steht direkt neben dem Kommentar eines Studenten.

Dieses Prinzip erwies sich als Volltreffer. HuffPost überrundete die altehrwürdige New York Times und deren online-Ableger vor einiger Zeit. Mittlerweile ist sie die größte online Zeitung weltweit.

Bloggen

Über die neue digitale Welt gibt es viele bekannte Weisheiten: Das „Empowerment“, also dass unbekannte Einzelne Großes erreichen können, ist so eine. Wir kennen die Geschichten über den Arabischen Frühling. Mittlerweile gibt es sogar den Begriff der Facebook-/ Twitter-Revolution.

Mit dem Gehört-Werden, mit dem seine Meinung „zum Fliegen“ zu bringen ist das so eine Sache… Der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Jeder kann etwas posten, also im Internet veröffentlichen. Es muss nicht mal was kosten. So weit so gut.

Aber die „Türsteher des Wissens“, also in der Regel eine Suchmaschine, reagiert am besten auf „gut geölte“ Webseiten. Eine gut programmierte Webseite zu erstellen kostet Arbeit, Zeit und meist eben doch auch Geld. Und Know-how: Meta-Tags, Betitelung, eine Onlineadresse (URL) mit den „richtigen“ Keywords etc. Längst hat sich um den Wunsch gefunden zu werden, eine neue Industrie namens Suchmaschinen-Optimierung etabliert.

Die HuffPost nimmt den Autoren da einiges ab: Alles, was man als Blogger hier braucht, ist ein Text; die Plattform sorgt für Reichweite und „verlinkt“ sogar auf den Ursprungsblog.

Neue Medienökonomie

Die von ihren Fans liebevoll „HuffPost“ genannte Plattform funktioniert so gut, weil sie den Gesetzmäßigkeiten der neuen Medienökonomie folgt und damit in Deutschland auf Anhieb mehr als  10 Millionen monatliche Visits erreicht. Im Prinzip gibt es drei erfolgreiche Wege zum Leser: entweder der Artikel läuft auf der Seite gut, er wird gut „gefunden“ weil er den Kriterien der Suchmaschinen entspricht, oder er wird, weil er Lesern so gut gefallen hat, häufig weiterempfohlen – neudeutsch ge-socialt.

Streng geheim! Diese 9 Orte darf Google Maps nicht zeigen hatte 820.962 Leser, weiterverteilt wurde es aber nur 26 Mal.

Brief einer berufstätigen Mutter an eine nicht berufstätige Mutter (und umgekehrt) wäre ein Flop gewesen mit 7000 Lesern, die ihn direkt auf der Seite lasen. Der Rest kam auf Empfehlung. Dieser Artikel „rannte“ jedoch extrem gut durchs Netz und fand so beeindruckende 715.826 Leser. Um das exemplarisch aufzuschlüsseln: 38.456 Mal auf Facebook „ge-shared“, 161Mal getwittert, 116 Mal via Pinterest weitergereicht, und 47 mal auf Google+ empfohlen.

Demokratisierung der Deutungshoheit

Wer in der HuffPost bloggt, ist zum jeweiligen Thema relativ schnell bei Google News findbar, oft direkt zwischen den gängigen Nachrichtenquellen. Als bekannt wurde, dass Janet Yellen die neue FED-Chefin wird, schrieb ein Düsseldorfer namens Martin Roos einen Blog über ihre Art zu reden und nannte das: Die Rhetorik des Ablesens. Wer in jenen Tagen „Janet Yellen“ googelte, fand auf der ersten Seite von Google News diesen Blog im Umfeld der Großen der Zunft, wie FAZ, WiWo, Süddeutsche oder auch dem Aktionär. Auch deswegen haben wir mittlerweile über 2000 Blogger, von denen sehr viele durchschnittlich zweimal im Monat bloggen.

Ein Bilderbuchbeispiel für die HuffPost als „Wahrnehmungs-Turbolader“ für Jedermann ist der britische Botschafter:  Simon McDonald bloggte in der HuffPost und kurz drauf wurde er in einem DLF-Interview zum gleichen Thema befragt. Dieses hörten TV-Macher und luden ihn Tage später in die ZDF-Show „Pelzig hält sich“.

Wer liest die HuffPost?

HuffPost-Leser sind jünger und weiblicher sind als bei anderen Nachrichtenplattformen. Aber für die althergebrachten Untersuchungen ist die Huffington Post einfach noch zu jung. Aber manchmal sind die Macher schon beeindruckt, wer so alles HuffPost liest. Ein viel gelesener Artikel war „Der letzte Brief eines Großvaters an seine Enkelkinder“.  Er fand gut 1.6 Millionen Leser. Und ein begeisterter prominenter Leser, Alt-Bundespräsident Christian Wulff, zitierte ihn an sehr ungewöhnlicher Stelle vor vielen Kameras.

Der Medien-Regenbogen hat mehr Farben bekommen und die HuffPost möchte noch mehr Menschen dazu ermutigen, kräftig mitzumalen. Es ist die größte Talkshow der Welt, jede Meinung zählt!