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Redner Cherno Jobatey bei einem Vortrag in der Tafelhalle Nürnberg

Redner Cherno Jobatey bei einem Vortrag auf der kleinen Bühne im fränkischen Nürnberg. Bundesweites Fernsehen mit einem Millionenpublikum zu machen sei halt “großes Kino", so der Redner Cherno Jobatey nach seinem Vortrag in der Tafelhalle. „Zwischen mir und den Zuschauern draußen ist viel Technik, alles ist immer optimal.“ Zudem sei Fernsehen absoluter Teamsport,  man sei immer eingebunden. Alles sei perfekt durchorganisiert, Zufälle würden minimiert. 
Doch als Redner, allein mit seinem Vortrag auf einer Bühne  – ausgestattet mit minimalen technischen Hilfsmitteln - vor vier- bis fünfhundert Leuten zu stehen,  das sei was ganz anders: "Um im Bild zu bleiben: Das ist großes Kino zum Anfassen.“
Es gäbe zwar in Sälen anders als zu Hause keine Fernbedienung, aber auf der Bühne merke Redner Jobatey  sofort, wenn die Energien woanders hinflössen. Also müsse man nicht nur Inhalte „draufhaben“, sondern sie auch „rüberbringen".  Jeder Bühnenschaffende, sei  er  nun Musiker, Schauspieler oder Redner,  lebt nach der Regel des alten Hollywoodstars und Tanz-Genie Fred Astaire, der mal über das Leben auf der Bühne sagte: „Das Schwerste ist, es so leicht aussehen zu lassen."
Während Musiker es noch relativ einfach haben, mit Tönen Stimmungen zu erzeugen, Schauspielern ihr Verhalten durch die Rolle schon halb vorgegeben ist, haben es Redner mit ihrem Vortrag etwas schwerer:  Sie haben nur das Wort und jede Menge Inhalt. Daraus muss etwas entstehen.
Und zwar von altersher: bei den alten Griechen hieß der  Redner Rhetor, die Römer sagten Orator. Rhetor war damals der Lehrende . Heute gibt es für diese Tätigkeit viele Beschreibungen:  Referent oder Vortragender. Dazu kommen dann noch ironisierende Beschreibungen wie Wortarbeiter oder professionelle Labertasche, bis hin zur anglisierten Bezeichnung Speaker oder eben das schlichte Redner.
Das Handwerkszeug eines jeden Redner entwickelte sich in der politischen und Gerichtspraxis der Griechen und Römer zur Kunstform, die sogar in speziellen Schulen gelehrt wurde: die Rhetorik. Bis in die Moderne wurde die Kunst des Redens perfektioniert. In Zeiten der elektronischen Massenmedien hat sich das Handwerk des Redner verändert: Persönlichkeit, Spannung, Dichte und Dramaturgie des auftretenden Redners kann sehr leicht durch die Verpackung, die Produktion wettgemacht werden. Andere Talente waren in den Vordergrund getreten.
In allen Darstellenden Künsten kann man in den letzten Jahren, seit den Auswirkungen der digitalen Revolution, ein ähnliches Phänomen feststellen: Am lautesten beklagt, am deutlichsten, war es in der Popmusik. Weil mit gut komponierten und gigantisch verpackten reproduzierbaren Produkten  wie Tonträgern oder DVDs nicht mehr soviel Geld zu verdienen ist, gerät die gut geölte, globalisierte  und alt-bewährte Starmaschinerie ins Stottern. Es funktionierte fast überhaupt nichts mehr. Um Geld zu verdienen, geht’s nun, wie früher, auf die Bühne. Und bei diesem „neuen“ Geschäftsmodell hilft nichts außer der Performance dem Auftritt. So kam es zu einer Renaissance des klassischen, fast schon altmodischen Handwerks auf vielen Bühnen.
Und wie beim Pop, ist es auch beim gesprochenen Wort, beim Redner: „Old-School Performer“, wie man das zeitgemäss beschreiben würde, also Redner, die das Handwerk auch live beherrschen, sind stark gefragt.
Redner halten einen Vortrag über ein Thema, zu dem es ganz sicher auch ein Buch, ein Artikel, ein Fernseh-Film, Dokumentarfilm, Dokudrama, oder eine Webseite existiert. Aber vor dem Redner zu sitzen, ihn zu sehen, vielleicht sogar eine Frage hineinzuwerfen,den Aufbau seines dramaturgischen Spannungsbogen zu erleben, ja zu merken … Dann noch dem Redner in inhaltliche Tiefen zu folgen, die man vorher nicht so gesehen, geschweige denn gedacht hat; Und nach dem Vortrag noch ein Gespräch mit dem Redner zu suchen, ihn darin zu verwickeln, das alles  geht nur „livehaftig“!
Eben nur, wenn der Redner mit seinem Vortrag vor Ort ist wie hier in Nürnberg, oder aber auch in Trier, Berlin, Essen, Bochum oder beim Wissensforum Süddeutsche Zeitung in München.

Referent Cherno Jobatey's Präsentation: Digitale Macht, Die Stille Revolution

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